| Die
Bahn: Reichsbahn - Bundesbahn - Deutsche Bahn AG
Die
Deutsche Reichsbahn entstand 1920 als Reichseisenbahn durch Staatsvertrag
mit den Ländern, die Staatsbahnen besaßen. 1924 wurde
die Deutsche Reichsbahn zum selbständigen Wirtschaftsunternehmen
unter Aufsicht des Reichsverkehrsministers umgewandelt. In der ehemaligen
DDR bestand sie als staatliches Unternehmen des öffentlichen
Eisenbahnverkehrs fort und firmierte ab 1990 bis zur Zusammenführung
mit der Deutschen Bundesbahn noch als Deutsche Reichsbahn.
Die
Deutsche Bundesbahn wurde 1949 gegründet und entstand als wirtschaftliche
Einheit durch Zusammenschluß der in den Besatzungszonen verwalteten
Vermögensteile der Deutschen Reichsbahn. Bis 31.12.1993 war
die Deutsche Bundesbahn ein nicht rechtfähiges Sondervermögen
des Bundes mit eigener Wirtschafts- und Rechnungsführung.
Die
Deutsche Bahn AG entstand im Zuge der Reform der deutschen Bahnen
durch Zusammenlegung der beiden Sondervermögen der Deutschen
Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn zum 01.01.1994 als Aktiengesellschaft
mit Firmensitz in Berlin und Verwaltungssitz in Frankfurt a.M.,
einziger Aktionär: Bundesrepublik Deutschland. Rechtsgrundlage
für diese Umwandlung war in erster Linie das Eisenbahnneuordnungsgesetz
- ENeuOG - (Gesetz zur Neuordnung des Eisenbahnwesens) vom 27.12.1993.
Die beiden Sondervermögen waren zunächst zum Bundeseisenbahnvermögen
BEV zusammengefaßt und in einen Unternehmens- und Verwaltungsbereich
gegliedert worden.
Im
Zuge der Bahnreform wurde außerdem das BEV Bundeseisenbahnvermögen
als Sondervermögen des Bundes geschaffen. Aufgaben des BEV
sind: Ausübung der Dienstherrnfunktion für die rd. 90.000
Bahnbeamten (Personalleitung, Besoldung, Betreuung), Wahrung der
sozialen Belange aller Mitarbeiter der ehemaligen Bundes- und Reichsbahn,
Kredit- und Schuldenmanagement zur Tilgung von Altschulden, Verwertung
von Wohnimmobilien (vorwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser
einschl. Bahnwärterhäuser).
"Sondervermögen"
= Wirtschaftsunternehmen.
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Rechtliches
Vor
der Bahnreform war den Eisenbahnern zugesichert worden, dass die
Eisenbahnwohnungsgesellschaften als betriebliche Sozialeinrichtung
nach den bisherigen Grundsätzen fortgeführt würden;
dies wurde in § 15 des Reformgesetzes dokumentiert. Der Verkauf
der für die Wohnungsfürsorge benötigten Wohnungen
wurde ausdrücklich ausgeschlossen.
Im
Juni 1998 gab der damalige Verkehrsminister Wissmann vor dem Hintergrund
einer desolaten Haushaltssituation den geplanten Verkauf der Wohnungen
bekannt. Der Hauptpersonalrat der BEV wies darauf hin, dass ein
Verkauf gegen das Reformgesetz verstößen würde.
Die angerufene Einigungsstelle bestätigte im August 1999 die
Rechtswidrigkeit eines Verkaufs. Die Bundesregierung änderte
die Vertragsgrundlagen, die Einigungsstelle billigte den Verkauf,
Hauptpersonalrat der BEV und die Eisenbahnergewerkschaft gingen
vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Frankfurt bestätigte im
Dezember 1999 die Unzulässigkeit eines Verkaufs, ließ
jedoch eine Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht zu. Im Juni
2000 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass gegen die vom
Bund beabsichtigte Übertragung seiner Geschäftsanteile
an den Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften auf private Immobilienunternehmen
keine Bedenken bestünden. Im Dezember 2000 gab der Präsident
des BEV den Verkauf an ein Konsortium aus einer japanischen Investmentbank
und verschiedenen Landesentwicklungs-gesellschaften bekannt.
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Verkauf
Am
15. Dezember 2000 wurden die Verträge zum Verkauf der 113.777
Eisenbahnerwohnungen endgültig unterzeichnet. Das BEV erhielt
gemäß Vorgabe des Bundesverwaltungsgerichts als Voraussetzung
für den Verkauf gegenüber der Geschäftsführung
der Wohnungsbaugesellschaften ein gerichtlich überprüfbares
Weisungsrecht.
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Annington
Der
größte Batzen, und zwar insgesamt 64.037 Wohnungen, wurde
von der Deutschen Annington Immobilien GmbH, Frankfurt a.M. erworben.
Das Tochterunternehmen von Japans größtem Wertpapierhaus Nomura
war 1997 angeblich eigens gegründet worden, um sämtliche 114.000
Eisenbahnerwohnungen aus Bundesbesitz zu übernehmen.
Nomura
ist seit 1971 in Deutschland vertreten, zunächst mit einer Repräsentanz
in Frankfurt am Main. 1973 erhielt Nomura Europe GmbH die Vollbanklizenz
vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, Stammkapital DM 10 Mio.
Im gleichen Jahr wurde die Bank Mitglied der Frankfurter Wertpapierbörse.
1990 Namensänderung in NOMURA BANK (Deutschland) GmbH; ein Jahr
später Kapitalerhöhung auf DM 145 Mio (Euro 74,137,000).
Die
von Annington/Nomura für 4,1 Mrd DM (rd. 2,05 Mrd Euro) erworbenen
Wohnungen verteilten sich auf die Städte München, Nürnberg, Augsburg,
Regensburg, Karlsruhe, Frankfurt am Main, Mainz, Köln (8090 Wohnungen,
hauptsächlich in Gremberghoven, Mülheim, Kalk und Nippes), Essen
und Kassel. Hinzu kamen Treuhandbestände des BEV in Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen.
Ein
Annington-Sprecher beteuerte, dass sich weder für die Mieter noch
für die Angestellten der Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften etwas
ändern würde. Im Kaufvertrag habe sich Annington zu umfangreichen
sozialen Absicherungen der bisherigen Mieter verpflichtet. Demnach
seien Luxussanierungen vertraglich ausgeschlossen und die Mieten
dürften jährlich um höchstens drei Prozent zuzüglich Inflationsausgleich
erhöht werden. Ferner werde Annington innerhalb der nächsten 10
Jahre höchstens ein Fünftel der Wohnungen verkaufen. Für die Neumieter
wäre Annington an keinerlei Schutzzusagen gebunden.
Anfang
Januar 2001 erhielten die Mieter der 8.090 Kölner Eisenbahnerwohnungen
ein Schreiben von Annington: Mietpreiserhöhung!
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Die
übrigen Käufer
Die
Nord LB Immobilien Holding GmbH (Schwesterunternehmen der Niedersächsischen
Landesentwicklungsgesellschaft LEG) erwarb insgesamt 19.905 Wohnungen:
davon 8.863 in Hamburg, 9.144 in Hannover und 1.898 Treuhandbestände
in Mecklenburg-Vorpommern.
Die
LEG Baden-Württemberg erhielt 6.485 Wohnungen in Stuttgart,
die TreuHandStelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen
Steinkohlebezirk GmbH 6.170 in Herne,
die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG 4.211 in Wuppertal;
die
LEG Nordrhein-Westfalen 3.873 in Münster,
die
LEG Saarland 2.259 in Saarbrücken.
Die
restlichen Wohnungen sicherte sich die Investorengruppe Praijs,
Drimmer, Baum und Pielen als GbR: insgesamt 6.837, davon 3.049 in
Berlin und 3.788 Treuhandbestände in Brandenburg.
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Duisburg
Die
Wedauer und Bissingheimer Mieter gründeten im Juni 2001 einen
neuen Verein "Zukunft der Eisenbahnerwohnungen in Duisburg"
mit dem Ziel, Entscheidungen des neuen Eigentümers Annington
über ihre Köpfe hinweg zu verhindern. Viele Wohnungen
und Häuser waren sehr sanierungsbedürftig. Der Verein
prüfte die Möglichkeit, eine Mieter-Genossenschaft zu
gründen, in die möglichst viele der Eisenbahnerwohnungen
übergehen sollten, um den Verkauf an einen Investor zu verhindern.
Im
Jahre 2002 verkaufte die Deutsche Annington Immobiliengruppe in
Duisburg 364 Eisenbahnerwohnungen an die bisherigen Mieter, die
meisten davon liegen in Wedau und Bissingheim.
Das
ursprüngliche Ziel des Vereins "Zukunft der Eisenbahnerwohnungen
in Duisburg" musste aufgegeben werden, doch der Verein besteht
noch heute und hat ca. 160 Mitglieder.
Die
Stammtisch-Termine finden monatlich abwechselnd in Wedau und Bissingheim
statt und werden recht gut besucht. Besprochen werden vielfältige
Problemstellungen wie z.B. Gartenpflege, Denkmalschutz-Auflagen,
Mieten, Betriebskostenabrechnungen etc.
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