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Frühling
Der
Vorfrühling ist eine Zeit voller Widersprüche: kalte
Nächte gegen frühlingshafte Sonnenstunden.
Er ist der Startschuss für das Leben.
Mit zunehmend warmen Tagen bricht das Temperament der Natur aus.
Tagpfauenauge,
Zitronenfalter und Kleine Füchse
kommen an sonnigen Tagen aus ihrem
Unterschlupf. Sie haben vielleicht in einem Gartenhäuschen,
im dichten Efeugebüsch oder in
einem der vielen Holzstöße
einen geschützten Winkel gefunden. Im Frühjahr ist auch
der Aurorafalter häufig zu sehen,
dessen Raupen auf Wiesenschaumkraut,
Kresse und anderen Kreuzblütern
leben.
Die
auffallend großen Hummeln,
die man im zeitigen Frühjahr etwas klamm in den Blüten
von Huflattich und Schneeglöckchen
herumkrabbeln sieht, sind junge Königinnen. Nur sie haben den
Winter überlebt.
Alles,
was Federn hat, ist im Vorfrühling auf Partnersuche. Im Wald
zirpt, trällert und flötet es. Es sind werbende Vögelmännchen.
Ebenso unüberhörbar sind die Buchfinken, dessen unscheinbare
graubraune
Federspitzen sich abgenutzt haben, so dass jetzt die farbenfrohen
Federpartien des "Sommerkleids" zum Vorschein kommen.
Ruf
oder Gesang, Lüge oder Wahrheit?
Vogelrufe sind in der Regel nur kurze Lautäußerungen.
Sie sind nur bei ganz bestimmten Anlässen (z.B. Gefahr) zu
hören. Vögel gebrauchen relativ häufig den Alarmruf
mißbräuchlich. Stößt z.B. eine Fressgemeinschaft
verschiedener Kleinvögel auf ein besonders fettes Insekt, so
gibt ein zuoberst fliegender Vogel, der als "Warner" fungiert,
einen Gefahrruf aus. Die anderen gehen in Deckung, der Lügner
frisst das Insekt.
Gesang dient verschiedenen Aufgaben und steht eng im Zusammenhang
mit der Fortpflanzung. Vögel haben Nistbezirke: gedachte Flächen,
deren Grenzen sie während der Nistzeit einhalten, schützen
und gegen Artgenossen verteidigen.
Wie machen sie das?
Die
Kohlmeise z.B. zwitschert das Jahr schon an den ersten warmen
Januartagen ein. Mit ihrem Gesang grenzt sie ihr Revier ab und wirbt
um eine Partnerin. Dabei haben Kohlmeisen eine interessante Strategie:
Zu ihrem Repertoire gehören bis zu 8 unterschiedliche Gesänge,
fand der Ökologe John Krebs heraus. Neuankömmlinge gewinnen
den Eindruck, um dieses Revier herrsche bereits ein gewaltiger Wettbewerb
und neue Anwärter täten gut daran, es gar nicht erst zu
versuchen.
Ziehen
die Mitbewerber schließlich ab, ist beiden gedient: dem Revierinhaber
sowie dem Eindringling. Denn, wo sich zu viele Kohlmeisen ein Waldstück
teilen, laufen Fressfeinde besonders oft und aufmerksam Patrouille!
Maulwurfshaufen
sehen manchmal aus, als hätte sie jemand mit einem feinen Rechen
geharkt: Mangels Nahrung haben Stare,
jeden Erdkrümel, jedes Hälmchen nach Regenwürmern,
Spinnen und ersten Insekten umgedreht.
"Einem singenden Starenmännchen zuzuhören, wird nie
langweilig," so der bekannte Ornitologe Einhard Bezzel. Stare
flechten Imitationen in ihrem Gesang ein, nicht nur Gesangsteile
anderer Vogelarten, sondern mitunter auch Hundegebell,
Katzenmiauen oder technische Geräusche
aus der Umgebung. Der Pfiff eines Fußballschiedsrichters ist
als Starenimitation nachgewiesen!
Frühblüher
"Pioniere"
wie Hasel, Birke, Erle, Hainbuche, Weide, Schlehe u.a. werden hauptsächlich
vom Wind bestäubt und blühen
deshalb vor dem Laubaustritt im zeitigen
Frühjahr.
Als
es noch keine Insekten gab, konnten sich die Pflanzen nur auf die
Bestäubung durch den Wind verlassen. Ein Windstoß entriß
ihnen Blütenstaub und ein kleiner Teil des pflanzlichen Spermas
gelangte auch wirklich auf die Narbe einer gleichartigen Pflanze.
Nachteil: Riesige Mengen Blütenstaub musste hergestellt werden,
um eine zufriedenstellende Treffenquote zu erreichen.
Bei der Haselnuss werden etwa 2 Mio.
Pollenkörner pro Kätzchen
gebildet. Würden solche Pflanzen zur Blüte im vollen Laub
stehen, wäre die Trefferquote extrem niedrig und die Bäume
würden aussterben.
Die
ersten Insekten vor über 250 Mio. Jahren entdeckten Pollen
als eine gehaltvolle Nahrung. Während sie von Blüte zu
Blüte flogen, verschleppten sie unfreiwillig Pollenkörner
und übernahmen die Rolle des Windes. Da sie ihre Aufgabe so
gut erledigten, wetteiferten die Pflanzen um ihre Gunst. Sie erzeugten
eigens für die Blütenbesucher eine Zuckermischung: den
Nektar; ein idealer Treibstoff für die kräftezehrenden
Flüge der Insekten.
Pflanzen, die sich nicht auf den Zufallsbesuch der Insekten verließen,
sondern unübersehbar mit ihren Menüs warben, hatten natürlich
größeren Zulauf. Die Blätter, die den Fortpflanzungs-organen
am nächsten standen, entwickelten plakative Formen und Farben
und wiesen auf die Futterquelle hin: Das Blütenblatt war geboren. |