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Geschichte des Ortsteils Duisburg-Wedau

2007 - Archäologische Funde
(Genehmigung zur Veröffentlichung des Textes einschl. Bildmaterial liegt vor.)
Was tun, wenn Sie bei Baumaßnahmen mögliche Hinweise auf Vor- und Frühgeschichtliches finden?
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Gerrit Kirsch, der in seiner Freizeit Skulpturen und andere Kunstobjekte aus Metall (meistens aus Stahl) und Kombinationen mit anderen Materialien schafft, fand bei Umbauarbeiten in seinem Haus in Wedau, Am See 9, einige Scherben, die von der Unteren Denkmalbehörde untersucht und wie folgt beschrieben wurden:

 


Bericht von Dr. Volker Herrmann,
Untere Denkmalbehörde der Stadt Duisburg,
Datum: 27.04.2007

Neue archäologische Funde zur frühesten Wedauer Geschichte

Schon im 19. Jahrhundert war bekannt, dass Wedau vor mehr als 2500 Jahren intensiv besiedelt gewesen sein muss. Mehrere Tausend Grabhügel eines weit nach Neudorf hineinreichenden Friedhofes aus der späten Bronze- und Eisenzeit sollen damals noch im Gelände zu sehen gewesen sein. Heute sind sie weitestgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Nur im Gebiet „An den Rehwiesen“ und im Friedhof „Am Sternbuschweg“ haben sich noch letzte Reste von wenigen Hügeln der ehemals großflächigen Nekropole erhalten.

 

Übersichtsplan zum Gräberfeld Wedau nach Genthe
Abb. 1: Übersichtsplan zum bronze- und eisenzeitlichen Gräberfeld Wedau nach H. Genthe, 1881
Quelle: Hermann Genthe, "Duisburger Altertümer. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Duisburg und zur prähistorischen Karte Deutschlands (Duisburg 1881)", Tafel 1


Bis 1872 waren bereits über 200 Grabhügel ausgegraben worden. Über die Arbeiten und die dabei geborgenen Funde ist aber wenig bekannt. Eine erste Kartierung zu dem Gräberfeld fertigte der Duisburger Gymnasialdirektor Prof. Genthe an, die in seiner Arbeit zu den Duisburger Altertümern und der Geschichte der Stadt veröffentlicht wurde. In den Jahren 1885 und 1886 wurden unter der Leitung von A. Bonnet weitere 159 Hügel des Friedhofs untersucht. Die Funde aus diesen Grabungen sind zum Teil noch in den Sammlungen des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg erhalten.

Über eine Siedlung zu dieser vorgeschichtlichen Begräbnisstätte war bislang kaum etwas bekannt. Lesefunde, die in den 1950er Jahren in der Kiesgrube im Bereich des heutigen Wambachsees geborgen worden sind, gaben erste Aufschlüsse. Hier am Südrand des ehemaligen Gräberfeldes, am heutigen Ortsrand von Wedau, muss ein solcher größerer Siedlungsplatz gelegen haben. Die hier vorgestellten Neufunde liefern uns nun weitere wichtige Anhaltspunkte zur Ausdehnung dieses spätbronze- bis früheisenzeitlichen Platzes. Die Ansiedlung muss also deutlich weiter bis Osten, bis in den Bereich der jetzigen Straße Am See gereicht haben.

Wie so häufig, wurden die Funde nicht bei einer regulären archäologischen Ausgrabung geborgen, sondern kamen zufällig bei Schachtarbeiten für die Verlegung neuer Rohrleitungen zu Tage. Im Keller des Anwesens Am See 9 stieß der Eigentümer auf dunkel gefärbte Erdbereiche, in denen verstreut zahlreiche Keramikscherben lagen. Bei näherer Betrachtung der Funde liefern sie uns wichtige Aufschlüsse zur näheren zeitlichen Einordnung. Zur genauen Lage der Funde und den zugehörigen Fundzusammenhängen konnten leider keine Informationen mehr gewonnen werden.

Bitte klicken Sie auf den Plan:
Übersichtsplan zum Fundort
Abb. 2: Übersichtsplan zum Fundort
Karte: Auszug aus dem Rasterdatenbestand des Stadtplanes Duisburg, vertraglich abgesichertes digitales Nutzungsrecht für www.wedaulink.de. Verwertung genehmigt am 16.07.2003 durch die Stadt Duisburg


Die als Siedlungskeramik anzusprechenden Stücke stammen allesamt aus der späten Bronze- und Eisenzeit. Charakteristisch ist die graue bis leicht rötliche Färbung des von Hand geformten Scherbens und der weiche Brand. Die Schulterbereiche der zugehörigen Gefäße waren in typischer Weise geglättet und zum Teil mit Ziermustern versehen worden. Auf den Tonscherben sind Tupfenornamente und mit einem Kamm in den Ton eingezogene Strichmuster zu erkennen, die in der ausgehenden Bronze- und der frühen Eisenzeit in der Region geläufig waren. Die vorliegenden Stücke gehören zu weitmundigen Tonschüsseln sowie Koch- und Vorratstöpfen. Das Bruchstück eines schüsselförmigen Miniaturgefäßes mit Standfuß könnte als Tässchen verwendet worden sein.

(Hinweis: Bitte klicken Sie das jeweilige Bild für eine größere Darstellung an.)
Tonscherben
Tongefäß
Abb. 3: Vier Bruchstücke von spätbronze-/früheisenzeitlichen Tongefäßen
Fotos: J. Müller, Modellbauwerkstatt, Stadt Duisburg

Neben den Tonscherben wurde auch das Bruchstück eines aus Hornstein gefertigten Werkzeugs gefunden. Schlagnarben an den Seiten zeigen, dass das Stück durch gezielte Schläge in Beilform gebracht worden ist. Es ist anzunehmen, dass das Werkstück bereits während der Jungsteinzeit gefertigt wurde. Wahrscheinlich fand ein bronzezeitlicher Siedler von Wedau zwei bis drei Jahrtausende später das Steingerät wieder und verwendeten es weiter als Klopfstein.
Werkzeug aus Hornstein
Abb. 4: Bruchstück eines jungsteinzeitlichen Hornsteinbeiles
Foto: J. Müller, Modellbauwerkstatt, Stadt Duisburg


Die vorliegenden Fundstücke belegen, welch große Bedeutung auf den ersten Blick unscheinbare Tonscherben für die frühe Geschichte eines Ortes haben können. Doch nur, wenn die archäologischen Fachämter von solchen Funden Kenntnis bekommen, können die Stücke zum Sprechen gebracht werden.

Die Untere Denkmalbehörde der Stadt bietet in dieser Hinsicht für alle Finder archäologischer Funde in Duisburg eine geeignete Anlaufstelle:

Stadt Duisburg
Untere Denkmalbehörde
- Stadtarchäologie / Kommunale Bodendenkmalpflege -

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Aus einem Kommentar von Dr. Herrmann:

Nur selten erhält die Untere Denkmalbehörde Hinweise zu vor- und frühgeschichtlichen Funden: Meist besteht bei den Findern die unbegründete Angst, dass sie die Funde abgeben müssen oder dass durch das Auffinden bei Baumaßnahmen hohe Kosten auf sie als Bauherren zukommen.

In NRW besteht jedoch kein Schatzregal, d.h. Finder und Grundeigentümer "besitzen zu gleichen Teilen das Eigentum an den Bodenfunden. Der Finder muss die Exponate nur zur wissenschaftlichen Bearbeitung dem Landesamt für Bodendenkmalpflege in Bonn bzw. der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Duisburg eine gewisse Zeit lang zur Verfügung stellen. Werden Bodenfunde entdeckt, müssen diese laut Gesetz dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege bzw. der Unteren Denkmalbehörde gemeldet werden. In der Regel können vonseiten der Stadtarchäologie kleine Fundbergungen bei Baumaßnahmen von Privatpersonen selbst durchgeführt werden und sind damit kostenfrei bzw. nur mit geringen Kosten für den Eigentümer verbunden. Anders verhält es sich bei Investoren, die in der Regel die Kosten für die Fundbergung und archäologische Dokumentation von Bodendenkmälern vor einer beabsichtigten Zerstörung tragen müssen. Vorrang gegenüber einer Ausgrabung hat aber in allen Fällen der unberührte Schutz der Bodendenkmäler im Boden.

Für uns Archäologen sind die Funde nur von untergeordneter Bedeutung. Viel größere Wichtigkeit besitzt das Fundumfeld der Funde. Dieses gibt uns dann Auskunft, ob die Stücke aus einer Siedlung oder einem Friedhof stammen oder aber sekundär bei Baumaßnahmen bereits verlagert wurden. Aussagen beispielsweise zur Siedlungsstruktur oder Geschichte der Siedlung liefern uns die im Boden erhaltenen Verfärbungen, Gruben, Herdstellen, Steinsetzungen etc. Werden sie von wissenschaftlich geschulten Kräften dokumentiert, erweitern sie beträchtlich die alleine durch die Funde gewonnen Erkenntnisse. Deshalb ist die Untere Denkmalbehörde, Stadtarchäologie Duisburg, deren Auftrag es ist, die Bodendenkmäler zu schützen und zu erforschen, besonders an der frühzeitigen Meldung von vermutlichen Bodenfunden mit historischer oder prähistorischer Relevanz interessiert.

Verdächtige Bodenstrukturen, die auf archäologisch interessante Objekte hindeuten, sind meist auch für den Laien erkennbar. Sie zeichnen sich in der Regel durch deutlich anders gefärbte Bodenarten aus, sind manchmal stark mit Keramikfunden, Knochen und Holzkohlestücken durchsetzt. Auch Steine, die in sonst homogenen Böden auftauchen, können archäologisch interessante Bodenfunde anzeigen."

Lesen Sie auch hier nach: www.planet-wissen.de .

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© V. Welkerling, 2000 - 2010 - Stand: 11.05.2010 -
Tongefäß 3.4