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Siedlungen in Wedau

- Siedlung der Duisburger Kupferhütte - Abschnitt Am See - Gartenstadt Wedau -

Die Duisburger Kupferhüttensiedlung

Die Siedlung der Duisburger Kupferhütte entstand um 1934 bzw. 1936, wurde jedoch größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt.

In früheren Zeiten bestand die Wohnungspolitik der Unternehmen darin, in Fabriksnähe Werkswohnungen zu schaffen und den Arbeiter dadurch fester ans Werk zu binden. So hatte die Duisburger Kupferhütte (seit 1983 "DK Recycling und Roheisen GmbH") die 1883 erbauten Werkswohnungen in der Kupferhüttenstraße ("Engelsburg") von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG übernommen und später weitere Häuser gebaut.

Am 03.07.1934 erließ die Reichsregierung das Gesetz zur Ordnung des deutschen Siedlungswesens, um die Errichtung aufgelockerter ländlicher Siedlungen am Rand der Großstädte zu fördern. Solche "Heimstättensiedlungen" sollten die "Boden-, Heimat- und Volksverbundenheit" von Arbeitern verstärken. Im Vordergrund der Bauplanung stand der Gedanke der Eigenversorgung durch intensiven Gartenbau auf der eigenen Parzelle. Auf die Qualität der Wohnungen, die weit hinter dem sanitären und technischen Standard von Genossenschaftssiedlungen zurückblieben, wurde weniger Wert gelegt. Die Gauheimstättenämter erhofften sich von der Aktion die "Beseitigung gefährlicher Brutstätten für Unzufriedenheit und offenen Aufruhr" durch Vergabe von Siedlerstellen an Arbeitslose und Kurzarbeiter.

1934 beschritt die Kupferhütte diesen neuen Weg: Mit der Siedlung in der Wedau wurde in einiger Entfernung vom Werk Wohnraum geschaffen, der dem Arbeiter ermöglichen sollte, auf eigenem Grund und Boden im eigenen Haus größere Unabhängigkeit zu genießen und seßhaft zu werden. Der Siedlungsplan wurde mit den Arbeitern und ihren Vertretern besprochen und die "Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Duisburger Kupferhütte mbH" mit einem Stammkapital von 50.000 RM gegründet. Das Eigentum wurde ohne Bindung an das Werk an die Siedler übertragen. Die Kupferhütte erhielt nur für den Fall einer Veräußerung wegen Wegfalls einer Erbfolge ein Vorkaufsrecht.

Im Duisburger Süden erwarb die Duisburger Kupferhütte drei Geländeabschnitte: um den alten Tannenhof (ein Bauernhof zwischen Kalkweg und Dickelsbach nördlich der Kliniken), im Schlenk und nördlich des Wambachsees (von der Verwaltung des Grafen von Spee). In den 50er Jahren kamen noch die Parzellen westlich vom Kalkweg zwischen Wedauer Straße und Tilsiter Ufer bis zum Dickelsbach hinzu. Der Kaufpreis wurde von der Duisburger Kupferhütte in Form eines Darlehens der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft vorgestreckt.

Das Planungskonzept sah folgendes vor:
Hausgröße: Der Siedler sollte im Haus ausreichend Platz für eine größere Familie und Wirtschaftsräume haben. Der Garten sollte zur intensiven Obst- und Gemüseanbau und zur Kleintierhaltung geeignet sein und so angelegt werden, dass er als erweiterter Wohnraum dienen konnte. Eine Erweiterung dieses Konzeptes erfolgte beim Bau der Siedlung am See.
Finanzierung: Damals verdiente ein Siedler durchschnittlich 235 RM, davon sollte 15%-20%, d.h. ca. 35 RM, für die Darlehenstilgung verwendet werden, der Ertrag aus der Gartennutzung sollte das Einkommen des Siedlers verbessern. Eine Siedlerstelle durfte somit nur 7.300 RM kosten, die Kosten betrugen jedoch 8.400 RM. Die Differenz mußte durch Selbsthilfearbeit (ca. 1000 Stunden) abgeleistet werden.

Im Frühjahr 1935 wurde auf dem Tannenhofgelände mit der Arbeit begonnen. Im ersten Bauabschnitt waren 95 Siedlerstellen in 4 verschiedenen Haustypen zu erstellen. Die meisten Bauarbeiten erfolgten als Selbsthilfe (ermöglicht durch die herrschende Kurzarbeit), die Bauunternehmen stellten lediglich die Spezialarbeiter.
Ein Jahr später wurde mit dem Bauabschnitt Im Schlenk begonnen, der Selbsthilfe-Anteil fiel wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs kleiner aus, die finanzielle Belastung betrug dadurch ca. 19% des Einkommens. Fertigstellung war im Herbst 1937.
Wegen der Kriegsereignisse konnte der dritte Bauabschnitt Am See nicht mehr fertiggestellt werden. Fertigstellung erfolgte erst 1948.
1953 bis 1955 wurden weitere Bauvorhaben im Abschnitt nördlich der Wedauer Straße, Anfang der 60-er Jahre auf dem Gelände zwischen Tilsiter Ufer und dem Dickelsbach ausgeführt.


Die Siedlung Am See

Kalkweg, Wedauer Straße, Dickelsbach und das Nordufer des Wambachsees umschließen die Fläche, die durch die Neidenburger Straße zweigeteilt wird. Um das Straßenbild aufzulockern, wurden die neuen Straßen gekrümmt angelegt. Die neuen Straßenzüge wurden im Juni 1937 vom Polizeipräsidenten nach den Städten in Ostpreußen benannt. Der Architekt Karl Anders aus Ludwigshafen entwarf vor Kriegsausbruch schöne und wirtschaftliche Häuser, die sich vorbildlich in die Landschaft einbetteten. Nach dem Krieg paßte der Architekt Peter Poelzig die Häusertypen den Zeitverhältnissen und den Gegebenheiten der Landschaft an und schuf Übergänge vom Haus zum Wohnplatz im Garten.

Die Kupferhüttensiedler sind auch heute weiterhin aktiv. Am 08.09.2001 fand der erste Siedler-Hobby-Markt der Siedlung Am See statt. Zehn Stände waren in der Mündung des Braunsberger Wegs in die Neidenburger Straße aufgebaut. Wo sonst das Wedauer Straßenfest stattfand, zeigten die Siedler die Ergebnisse ihres künstlerisch-handwerklichen Könnens. Von 14 bis 19 Uhr wurden u.a. selbstgefertigte Puppen, Puppenkleider, Skulpturen, Bilder und Seidenmalerei angeboten. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt: Zu den hausgemachten Spezialitäten gehörten u.a. Soleier und eingelegte Rostbratwürstchen ("Saure Zipfel"). Die Siedlergemeinschaft DK e.V. Abschnitt Am See gab auch eine Zeitung heraus, aus der die zahlreichen Aktivitäten ersichtlich waren.



Links zur Kupferhütte:

www.christian-bruenig.de Fotos Industriekultur und Kupferhütte
www.hfinster.de Besuch bei DK Recycling
www.dk-duisburg.de Website der DK Recycling und Roheisen GmbH
     

Und wo möchten Sie jetzt hin :

 


© V. Welkerling, 2000 - 2007 - Stand: 06.01.2008 -